"Tut eurem Körper Gutes an …

04. November 2007

hand_in_hand.jpgWas unterscheidet eine Essstörung von "nur" gestörtem Essverhalten? Welche Faktoren begünstigen die Entstehung von krankhaftem Essverhalten und welche können ihm entgegenwirken? Gibt es eine wirksame Prävention und was ist zu tun, wenn das eigene Kind erkrankt ist?

Fragen über Fragen, denen Hiltrud Scheffler fachkundig auf den Grund ging.

So erfuhr die Zuhörerschaft, dass unser heutiges Schönheitsideal viele junge Frauen in den Hungerwahn treibt, dass ständige Diäten ein "gestörtes" Essverhalten darstellen und dieses, wenn es über Monate anhält, sich zu einer Essstörung entwickelt.

Rollenkonflikte in der Pubertät oder ein Familienklima, in dem Gefühle nicht ausgedrückt werden dürfen, können ebenso Gründe für die Entstehung einer Magersucht oder Bulimie sein, so wie die Unfähigkeit, "Nein" zu sagen und damit klare Grenzen zu ziehen häufig in eine Esssucht mündet. Die Leibesfülle stellt dann hier die einzige Möglichkeit der Abgrenzung dar.

So vielschichtig die Ursachen der Erkrankung sind, so schwierig und langwierig gestaltet sich laut Hiltrud Scheffler die Therapie. In vielen Fällen wird die Essstörung chronisch und zieht sich über Jahrzehnte hin. Im Fall der Magersucht ist dies bei rund der Hälfte der Erkrankten der Fall.

Wichtig ist daher eine sinnvolle Prävention. Vorbeugend wirksam ist nach Erkenntnissen Hiltrud Schefflers auf jeden Fall eine gute Esskultur in der Familie. Dazu gehört das gemeinsame Kochen ebenso wie das gemeinsame lustvolle Essen in einer entspannten Atmosphäre.

Ein stabiles Selbstvertrauen und ein positives Körperbild, das sich nicht nach vorgegebenen Körperschemata ausrichtet, sind ebenso wichtig wie das Zulassen und Ernstnehmen von Gefühlen. Konfliktfähigkeit, eine konstruktive Streitkultur und eine Rollenvielfalt, in der sich Jugendliche ausprobieren dürfen, wirken zudem schützend.

Was aber tun, wenn das eigene Kind nun doch anfängt radikal zu hungern und sich beständig weigert zu essen? "Am Ball bleiben" rät Hiltrud Scheffler, also mit der Tochter im Gespräch bleiben, ihr gegenüber die eigenen Sorgen immer wieder äußern, auch die Trauer, die das Verhalten bei jedem Elternteil auslöst – und sich frühzeitig Hilfe holen.

Eine erste Anlaufstelle für erkrankte Jugendliche aber auch deren Angehörige ist die Tübinger Initiative für Mädchenarbeit (TIMA), die regelmäßig Sprechstunden anbietet. Weitere Adressen gibt es dort oder übers AEG bei Frau Meißner.

Von: R. Meißner



Schlagworte:
Kategorie: Tagebuch