Etwa 280 Oberstufenschüler der Reutlinger Gymnasien und der Engstinger Walddorfschule versammelten sich Mitte Januar in der Mensa des Albert-Einstein- Gymnasiums zu einer Veranstaltung der besonderen Art.
Die Schule hatte Quasra Shahraz bereits zum zweiten Mal eingeladen, um den künftigen Abiturenten bei der Vorbereitung ihres Sternchenthemas im Fach Englisch die Möglichkeit zu bieten, sich mit einer englischsprachigen Schriftstellerin auseinanderzusetzen.
Qaisra Shahraz verfasst Romane und Kurzgeschichten zum Thema Identität muslimischer Frauen in England und in Pakistan. Sie berichtete davon, wie sie Deutschland immer mehr schätzen gelernt hat und wie sie die Deutschen wahrnimmt.
Anschließend las sie Auszüge aus ihrer Kurzgeschichte "A Pair of Jeans", plauderte aus dem Nähkästchen, sprach über ihre Schreibtechnik und erklärte, dass sie beim Schreiben nie daran gedacht hatte, dass ihre Geschichten einst von Hunderten von Menschen interpretiert würden.
Manche der jugendlichen Zuhörer mussten sich erst an den in Manchester üblichen Mancunian Accent gewöhnen, und an einen leichten Anklang von Urdu, der Muttersprache von Shahraz. Die Autorin ist ein ausgesprochenes Erzähltalent und vermochte die Aufmerksamkeit des Publikums fast zweieinhalb Stunden lang aufrecht zu erhalten.
Sie ging sehr offen auf die sachkundigen Fragen der Schüler ein und erlaubte Einblicke in ihre Privatsphäre und in ihr Familienleben. Das Leitmotiv ihres Vortrags war der Gedanke der Toleranz zwischen den Kulturen. Sie rief beispielsweise beim Thema »arranged marriages « dazu auf, nicht gleich an Zwangsheirat zu denken. Die Leute, die sie kenne, würden in dieser Hinsicht nie einen Zwang ausüben, sondern ihre Kinder nur unterstützen und fördern. Ihre ledige 39-jährige englische Freundin würde sich übrigens einen solchen Brauch sehnlichst wünschen, weil sie auf diese Weise auch einen Partner finden könnte.
Die Frage des islamischen Terrorismus beantwortet Quasra Shahraz glasklar: Eine kleine Gruppe kranker Geister hänge einer Gewaltideologie an, die mit dem Islam nicht das Geringste zu tun hat.
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