Martin von Arndt war am 20. Januar im Literaturkurs der Kursstufe 1 zu Gast, um aus seinem Roman "ego shooter" zu lesen und mit den Schülerinnen und Schülern über die Arbeit und das Leben eines freien Schriftstellers zu sprechen. Den Roman haben die Schüler im ersten Kurshalbjahr im Rahmen des Literaturunterrichts gelesen - nun war Gelegenheit, etwas über die Entstehungshintergründe dieses Textes zu erfahren, der sich mit einer virtuellen Welt befasst, die für viele Schüler(innen) Teil ihrer Wirklichkeit ist: Computer-Spiele.
ich fliege war-birds. im real-life bist du ein telefonbucheintrag, 11stellig mit vorwahl, unter falschem namen, "k" wie kovács. dazu steuer-, sozial-, renten-, krankenversicherungsnummer. in der cyberworld bist du der "adler von lille", bist du deine kills. je mehr abschüsse, desto höher steigst du im rank-status. manche würden töten, um an die konfigurationen deiner eingabegeräte zu kommen, du hast ein klares ziel: top-gun zu sein. alle missionen, alle maps durchzuspielen, ohne abgeschossen zu werden.
(Auszug aus dem Roman "ego shooter").
"ego shooter" ist die ebenso skurrile wie komische und tragische Geschichte einer Sehnsucht nach neuen Lebensnischen in der Computer-Gesellschaft. Aber es ist auch die Geschichte einer Gefährdung. Kovács, der Protagonist des Romans, ist der Vertreter einer jungen Generation, die sich in immer brutaler ausgetragenen gesellschaftlichen Verteilungskämpfen ihren Weg suchen muss. Und die vor dem Computer Gefahr läuft, menschlich abzustürzen, zu verelenden, zu verkommen.
Martin von Arndt 1968 als Sohn ungarischer Eltern geboren. Nach der Promotion in Religionswissenschaft lebt er heute als Schriftsteller und Musiker bei Stuttgart. Er ist Stellvertretender Vorsitzender des Verbands deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg, Mitglied der Berliner AutorInnengruppe kOOk und bekennender Computerjunkie. Neben sieben CDs sowie Film- und Hörspielmusik mit der Avantgarde-Rockband "Printed At Bismarck's Death" veröffentlichte er bislang zwei Bände erzählende Prosa, Lyrik, Theaterstücke und vier Sachbücher. Martin von Arndt erhielt für sein Werk mehrere Preise und Stipendien, zuletzt war er Stadtschreiber von Rottweil.
2010 erhielt Martin von Arndt den Thaddäus-Troll-Preis für seinen jüngsten Roman, den Krimi "Der Tod ist ein Postmann mit Hut".
Die Veranstaltung wurde finanziell unterstützt vom Friedrich-Boedecker-Kreis Baden-Württemberg und dem Verein der Freunde des AEG. Vielen Dank!